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DRALL-MESSERGEBNISSE
Messungen von Drall, der bei Verwendung eines Putters entsteht, sind
relativ problemlos vorzunehmen. Die Messung muss unmittelbar nach
dem Treffmoment, jedoch vor dem Aufschlagen des Balles auf der Puttfläche
erfolgen, da auf diese Weise nicht Gefahr besteht, den Drall, der
durch Schlittern beim Auftreffen des Balls auf dem Boden entsteht,
mit dem durch den Putter verliehenen Drall zu verwechseln.
In der Regel trifft der Ball bereits einen Sekundenbruchteil nach
Verlassen der Putter-Schlagfläche auf dem Boden auf. Zur konventionellen
Messung des Dralls im Treffmoment wird eine Hochgeschwindigkeits-Videokamera
verwendet, die das Verlassen der Putter-Schlagfläche durch
den Ball aufzeichnet. Ein Hochleistungs-Camcorder mit einer Frequenz
von tausend Bildern pro Sekunde könnte das bewerkstelligen.
Dazu müsste dann ein Computer mit Videoanalyse-Software eingesetzt
werden, womit die sehr geringen Veränderungen in der Balldrehung
zur Messung des erzeugten Dralls erkannt und analysiert werden …
Gar nicht so einfach!
Das Dilemma lässt sich mit etwas Fantasie lösen – lassen
wir eben die Puttfläche aus dem Spiel! Mit dieser Veränderung
wird weder der Ausgangsdrall des Balles noch dessen Geschwindigkeit
beeinflusst – stattdessen lassen sich damit Messungen auf sehr
einfache und praktisch durchführbare Weise vornehmen.
So
erfolgt die Probe aufs Exempel:
Das Bild links zeigt die Doppelblitzaufnahme eines Balles zum Zeitpunkt
des Puttens von einem Tischrand. Der Tischrand könnte dazu mit einer
künstlichen Puttfläche versehen werden; in der Praxis würde
sich dies auf den Balldrall nur unwesentlich auswirken.
Auf der linken Bildseite ist der Ball im Treffmoment durch den Putter
zu sehen. Um diesen Teil des Bildes aufnehmen zu können, erfasst
ein Mikrofon das Aufschlaggeräusch und löst den ersten Blitz
aus.
Der zweite Blitz wird so ausgelöst, dass damit der Ball im Flug
aufgenommen wird, und zwar genau eine Zehntelsekunde später.
Die
Testmarkierung auf dem Ball zeigt das Vorliegen einer Backspin- oder
Topspin-Drehung an. Zur besseren Kennzeichnung ist an der Testmarkierung
des Golfballs ein kurzes Strohstückchen angebracht. Durch seine äußerst
geringfügige Masse hat dies auf den Ballflug eine unerhebliche
Einwirkung; es wird jedoch damit ermöglicht, auch mit bloßem
Auge die Drehrichtung und die ungefähre Drehzahl des Dralls zu
beobachten.
Die abgebildete Aufnahme zeigt, dass die durch die Testmarkierungen
der beiden Bilder festgestellte Winkelveränderung einen durch
das Auftreffen am Ball erzeugten Backspin von 0,5 U/min ergeben hat.
Die hinter dem Ball sichtbare Längenskala zeigt Zentimeterwerte
(wobei die tatsächliche Entfernung zwischen den Messlinien so
verändert ist, dass damit der Anstellwinkel der Kamera bei der
Aufnahme kompensiert wird). Aus den beobachteten Werten ergibt sich
eine Ausgangsgeschwindigkeit von 2,2 m/sec.
Bei verdoppelter Schwunggeschwindigkeit des Putters und gleichzeitiger
Halbierung der Blitzfolgedauer erhält man nahezu das gleiche Bild,
wobei sich Ball und Putter in den gleichen Positionen befinden. Der
Backspin beträgt in diesem Fall 1 U/sec bei einer Ausgangsgeschwindigkeit
von 4,4 m/sec. Da sich also Drall- und Ausgangsgeschwindigkeit gleichlaufend
verändern, kann der Drall durch sein „Rollverhältnis“ als
Messwert ausgedrückt werden, wodurch ein engerer Bezug zur Konstruktion
des Putters hergestellt wird.
Das Rollverhältnis (R) ist gleich der sich durch den Drall ergebenden
Ballumfangsgeschwindigkeit geteilt durch dessen lineare oder translatorische
Geschwindigkeit. (Der Umfang eines Golfballs beträgt 13,4 Zentimeter;
wenn er also einen Drall von einer Umdrehung pro Sekunde aufweist,
so beträgt seine Umfangsgeschwindigkeit 13,4 Zentimeter pro Sekunde.)
Bei einem Wert R = +1 bewegt sich der Ball mit reiner Rollbewegung.
Bei einem negativen Wert R weist der Ball Backspin auf.
Im Falle der vorher besprochenen Doppelblitz-Aufnahme beträgt
also die Rollrate (als Prozentsatz ausgedrückt) –3 %. Vorausgesetzt,
dass der Ball genau am gleichen Punkt der Schlagfläche des Putters
getroffen wird, liegt seine Rollrate stets im Näherungsbereich
von -3 % ohne Rücksicht auf die angewandte Puttstärke.
Die
zweite Aufnahme, in welcher ein Odyssey 2-Ball Putter in Aktion ist, zeigt ein
viel stärkeres Backspin-Verhalten, wobei das Rollverhältnis -10 % beträgt.
Bei einem derartigen Rollverhältnis verliert der Ball auf den ersten Zentimetern
seiner Puttstrecke 34 % seiner kinetischen Ausgangsenergie durch Schlittern.
Das unterschiedliche Verhalten ist hierbei darauf zurückzuführen,
dass der Sohlenschwung des Putters mehr als 12 Millimeter über dem Boden
verläuft, während der vergleichbare Wert in der ersten Aufnahme nur
3 Millimeter beträgt. Je höher der Putterkopf im Treffmoment platziert
ist, desto niedriger liegt der Auftreffpunkt an der Putter-Schlagfläche
und desto größer ist auch der Backspin. Daraus ergibt sich, dass
durch Putten des Balles im Aufschwung kein Topspin entsteht (wie man es wohl
erwarten könnte), sondern dass sich damit der Backspin erhöht, da
bei einem Aufschwungschlag der Berührungspunkt mit dem Ball ganz im unteren
Bereich der Putter-Schlagfläche liegt.
Die fotografische Doppelblitz- oder Verzugsauslösetechnik bietet eine
hervorragende Möglichkeit zur Beweisführung, dass die Ergebnisse der
Drallmessung Gültigkeit haben und genau sind. Zu ihrem Einsatz sind neben
einer Kamera zwei externe Blitzgeräte und eine spezielle Sensor- und Auslöseschaltung
erforderlich. Die beiden unten eingefügten Aufnahmen zeigen eine noch einfachere
Methode:
Nach Angaben des Herstellers soll durch die speziellen Rillen an der
Schlagfläche des Putters in diesen beiden Aufnahmen ein außergewöhnlich
hoher Topspin erzeugt werden. Wie jedoch diese Aufnahmen zeigen, weist
dieser Putter bloß die gleichen Dralleigenschaften wie Putter
mit ähnlichen Kopfformen und -gewichten auf. Mit diesem Putter
könnte es eventuell einfacher sein, den Ball früher zum Schlittern
zu bringen. (Dies könnte etwa durch einen geringeren Neigungswinkel
der Schlagfläche erreicht werden.) Der Ball würde hier nahezu
im gleichen Ausmaß schlittern wie ein mit einem Putter mit etwas
größerem Neigungswinkel geschlagener Ball, doch würde
er seine Ausgangsgeschwindigkeit früher verlieren und damit früher
zu rollen beginnen.
In den beiden nebeneinander angeordneten Aufnahmen zeigt das rechte
Bild die tatsächliche Messgröße. Im linken Bild wird
der Ball in seiner Position vor dem Treffmoment gezeigt; in der Regel
ist eine solche Aufnahme nicht erforderlich, wird jedoch hier der Vollständigkeit
halber gezeigt. In einer bestimmten Entfernung (beispielsweise von
20 Zentimeter) innerhalb der Flugbahn des Balles wird eine „Stoppplatte“ platziert.
Die Stoppplatte ist mit zwei Elektroden versehen, die normalerweise
elektrisch isoliert oder im ausgeschalteten Zustand sind. Eine der
Elektroden besteht aus festem Metallblech, während die andere
aus Aluminiumfolie besteht und knapp vor dem Metallblech angeordnet
ist. Sobald der Ball die Stoppplatte erreicht, wird dadurch die Aluminiumfolie
auf das Metallblech gedrückt; durch den Kontaktschluss wird nun
der Blitz ausgelöst. (In der Praxis ist der Abstand zwischen der
Folie und dem Blech viel geringer; der Kontaktschluss erfolgt damit
bereits bei geringster Kraftanwendung.) Diese Versuchsanordnung ist
zwar simpel, dabei jedoch höchst effektiv. Jede mit einem Blitzlichtschuh
oder einem anderen Blitzgeräteanschluss versehene Kamera lässt
sich dazu verwenden. Bei der Anwendung dieser Technik erscheint der
Ball bei der Blitzauslösung als stillstehend, so dass sich auch
bei langer Blitzbelichtung scharfe Bilder ergeben.
Wenn nun die Aluminiumfolie an der Stoppplatte durch herkömmliches
Kohlepapier (wobei die farbbeschichtete Seite in die Auftreffrichtung
des Balles zeigt) ersetzt wird, kann damit auf die denkbar einfachste
Weise der durch den Putter verliehene Drall gemessen werden. Beim Auftreffen
des Balles auf die senkrechte Stoppplatte wird durch das Kohlepapier
ein Farbabdruck auf den im Flug befindlichen Ball auf seiner horizontalen Äquatorebene
abgegeben. Damit wird jegliche Winkelabweichung zwischen der horizontalen Äquatorebene
im Flug und der horizontalen Äquatorebene vor dem Aufschlag angezeigt,
woraus sich das Ausmaß des Dralls schnell und mit ausreichender
Genauigkeit ableiten lässt.
ERKENNTNISSE AUS DRALLBEZOGENEN MESSERGEBNISSEN
Anhand der oben gezeigten Putter lassen sich die Unterschiede im
Drallverhalten zwischen Puttern im Blade- und Mallet-Design gut darstellen.
Blade-Putter verhalten sich ähnlich wie Eisen, bei welchen
der Masseschwerpunkt ziemlich nahe der Schlagfläche liegt. Infolgedessen
weisen Schläger mit Blade-Design meist keine großen Übersetzungseffekte
auf, und deshalb ist ihr Drallverhalten auch bei unterschiedlichen
Aufschlaghöhen eher konstant. Im Falle des C-Groove Putters stellte
sich heraus, dass sich das Rollverhältnis von ungefähr +1
% Topspin bei Aufschlägen im oberen Bereich der Schlagfläche
im Falle von Aufschlägen im unteren Bereich der Schlagfläche
auf etwa -2 % Backspin reduzierte. (Die Vergleichswerte für den
2-Ball Putter betrugen -3 % bzw.-10 %.)
Bei einem Putter im Mallet-Design liegt der Schwerpunkt in einiger
Entfernung hinter der Schlagfläche. Er verhält sich in dieser
Hinsicht also ähnlich wie ein Driver oder ein Fairway-Holz. Durch
die weiter hinten liegende Schwerpunktposition ergibt sich eine viel
bedeutendere Änderung im Drallverhalten, wobei ein veränderter
Auftreffpunkt auf Übersetzungseffekte zurückzuführen
ist.
Im Falle des 2-Ball Putters liegt der Schwerpunkt ganz besonders
weit hinten; er liegt dabei auch sehr hoch über der Sohle, womit
sich also der Sweetspot sehr weit oben an der Schlagfläche befindet.
In der ersten Doppelblitz-Aufnahme befindet sich der Auftreffpunkt
knapp unterhalb des Sweetspots. Um den Sweetspot an einem 2-Ball Putter
tatsächlich zu treffen, muss der Putter praktisch den Boden berühren,
oder der Neigungswinkel der Schlagfläche muss bedeutend reduziert
werden. Der weiche Einsatz-Werkstoff und der ziemlich groß ausgeführte
Kopf tragen zu einem gleichmäßigeren Aufschlaggefühl
bei, womit sich die meist hohe Zahl von Aufschlägen unterhalb
des Sweetspots weniger bemerkbar macht.
Schläge unter dem Sweetspot wirken sich auf das „längentolerante“ Verhalten
eines Putters aus. Bei veränderlicher Auftreffhöhe ergeben
sich beim Auftreffen in größter Entfernung vom Sweetspot
die höchsten Verluste an Ausgangsgeschwindigkeit und der höchste
Backspin. Im Zusammenwirken resultieren diese beiden Faktoren in einer
Reduzierung der Puttlänge. Lindsay Putter sind jedoch so konzipiert,
dass dieser Vorgang umgekehrt wird – dadurch nämlich, dass
ihr Schwerpunkt sowohl weit hinter der Schlagfläche sowie außergewöhnlich
niedrig liegt. Daraus folgt, dass Puttschläge in der Regel oberhalb
des Sweetspots ausgeführt werden, woraus sich ein Topspin-Übersetzungseffekt
ergibt. Je höher der Auftreffpunkt über dem Sweetspot liegt,
desto höher ist auch der Topspin. Damit wird auch auf die beste
Weise der Verlust an Ausgangsgeschwindigkeit wettgemacht.
Eine weitere Nebenwirkung eines weit hinten liegenden Schwerpunkts
bei Schlägern im Mallet-Design bezieht sich auf den Sidespin
und das richtungsbezogene Toleranzverhalten Es ist weithin bekannt,
dass durch ein Schlagen mit der Hacke der Putt „gezogen“ verläuft,
während bei einem Spitzenschlag die Betonung auf dem „Schieben“ liegt.
Normalerweise wird dies so begründet, dass sich durch das versetzte
Auftreffen eine „offene“ bzw. „geschlossene“ Position
der Schlagfläche des Putters ergibt, wodurch sich das Ballverhalten
entsprechend ändert. Was nun für Hochgeschwindigkeits-Aufschläge
konzipierte Schläger wie etwa Driver angeht, entspricht diese
Theorie durchaus den Tatsachen. Wie jedoch Dr. Norman Lindsay nachweisen
konnte, sind bei Puttern Richtungsabweichungen nahezu gänzlich
auf Übersetzungseffekte zurückzuführen. Folglich neigen
Putter mit Mallet-Design zu niedrigerer Richtungstoleranz im Vergleich
mit Blade-Design-Puttern. (Abweichungen in der Spurtreue bei versetzten
Heel-Toe-Aufschlägen mit dem 2-Ball Putter haben eine mehr als
dreimal größere Wirkung als Abweichungen bei gleicher Versetzung
mit dem C-Groove Putter.) Dieses Thema wird in zukünftigen Versionen
der Lindsay Golf Website eingehender zur Sprache kommen.
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